Richtigstellung zur Sendung Klassik-Pop-et cetera

vom 07.01.2023 bei Deutschland Radio | Raphael Moussa Hillebrand

Vorab: Ich möchte meine Erzählung revidieren, dass Jesse Owens 1936 mit gesenktem Kopf die Faust im Berliner Olympiastadion in die Höhe gestreckt hat. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Das taten Tommie Smith und John Carlos 1968 während der olympischen Spiele in Mexiko. Liebe Zuhörer*innen!

Mich erreichte eine Vielzahl an persönlichen E-Mails und ich möchte mich herzlich bei allen Zuhörer*innen bedanken, die diese Sendung als bereichernd wahrgenommen und mir rund um die Erzählung zu Jesse Owens faktisch, kritisch, aber auch wohlwollend entgegengetreten sind. Das hat mich sehr berührt. Vielen Dank. Ich möchte mich aufrichtig bei Tommie Smith, John Carlos und allen Zuhörer*innen für die falsche Erzählung entschuldigen. Gern würde ich diesen Fehler ungehört machen. Das kann ich so gesehen nicht wirklich, aber richtig stellen möchte ich es sehr gern.

Heute möchte ich den Song noch einmal ankündigen: Der nächste Track nimmt uns fast 100 Jahre zurück, zu den Olympischen Spielen in Berlin, wo Adolf Hitler seine Rassenphantasien, seine Ideologie der Welt zeigen wollte. Mit einem großen sportlichen Spektakel wollte er allen zeigen, dass Weiße dem Rest der Welt überlegen sind.

Er hatte die Rechnung ohne Jesse Owens gemacht, ein afroamerikanischer Sportler, der zur Olympiade nach Berlin kam und der viermal Gold holte. Das Owens Hitlers Olympia-Party zu seiner Gold-Party machte und seinen Rassenwahn durchkreuzte und als sportlicher Held in die Geschichte einging, ist unumstritten.

Credit: Granger
Peter Norman (l.), Tommie Smith (m.), John Carlos (r.)


Allerdings lebte ich irrtümlicherweise lange in der Illusion der Verwechslung und dachte Owens sei ein Revolutionär, der 1936 während der Siegerehrung seine Faust in die Höhe streckte und in den Widerstand ging.

Dieses Bild, diese Geste der Ewigkeit, entstand aber tatsächlich erst 1968, 32 Jahre später und zeigt den afroamerikanischen Olympiasieger Tommie Smith und den drittplatzierten John Carlson auf der Siegertreppe während der olympischen Spiele in Mexiko. Sie setzten damit ein Zeichen gegen Diskriminierung und Rassenhass in den USA. Unterstützt wurden sie vom zweitplatzierten Peter Norman (Australien), der wie sie das Abzeichen "Olympic Project for Human Rights" trug und ihre Aktion unterstützte.  Wie auch Owens, der für seine sportlichen Erfolge die Würdigung erhielt, die er sicherlich verdient hätte, wurden auch Smith und Carlos lange für ihre bis ins kleinste Detail geplante Protestaktion und für ihr zu bewundertes politisches Bewusstsein verachtet. Erst Jahre später erhielten sie den längst nötigen Respekt und die Anerkennung für ihren Mut und ihr nach vorne gehen…

Link: https://www.deutschlandfunk.de/der-breakdancer-und-choreograf-raphael-moussa-hillebrand-100.html

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Kommentare

Kommentar von Philipp |

Super Statement, danke dafür!

Kommentar von Thorsten |

Danke für die Zugabe! Ohne Irrtum wäre das ganze Leben einer.

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